Nein, Joseph Haydn war es höchstwahrscheinlich nicht, der dieses groß angelegte und repräsentative Oboenkonzert in C-Dur schrieb. Sein Name steht zwar auf dem Autograf, doch dort sozusagen von fremder Hand gesetzt. Aber von wem stammt es dann? Für einen Kleinmeister ist es zu gut, ein Großer wie Haydn würde da durchaus passen. Gleichwie: François Leleux, der Star-Oboist mit dem lyrisch-innigen Oboenton und »Artist in Residence« der hr-Sinfonieorchester-Saison 2016/17, stellt dieses ebenso gelungene wie in seiner Zuschreibung ungeklärte Oboenkonzert in der Reihe Barock+ vor – und kombiniert es gleich mit einem zweiten »unechten« Haydn. Jedenfalls ist auch im Falle der Brahms’schen »Variationen über ein Thema von Haydn« ziemlich sicher, dass der von Brahms ausgeborgte »Chorale St. Antoni« nicht von Haydn stammt. Da passt es ja allzu gut, dass auch in Jean-Philippe Rameaus Ballett-Oper »Les Indes galantes« keineswegs die galanten Bewohner Indiens präsentiert werden, sondern der »Großmütige Türke«, »Die Inkas in Peru« und allerlei damals als exotisch eingestufte Völker mehr. Nur eben keine Inder.
François Leleux dirigiert:
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